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Praxis Katamaran segeln

Basics, Tipps & Tricks

Katamaran segeln ist nicht schwieriger als das Segeln von Einrumpf-Booten. Es unterscheidet sich nur in manchen Details. Neben der Geschwindigkeit sind bei Sportkatamaranen das Stabilitätsverhalten, die Wendigkeit und das Aufrichten nach einer Kenterung z.B. gegenüber einer Jolle verschieden.
Gemeinsam haben die Sportsegelboote aber mindestens, dass wir alle damit reichlich Spaß auf und manchmal auch im Wasser haben.

Echter Wassersport ist, wenn man auch nass wird.

Die meisten Tipps und Tricks sind für versierte Segler ein alter Hut. Doch aus meiner Wassersport-Karriere weiß ich, dass ich oft für einen Tipp froh war. Know-how macht vieles einfacher und man kann dann den Sport genießen, auch wenn's mal etwas rauer wird.
Ich hoffe, hier und da noch etwas Nützliches weitergeben zu können.

Und auch wenn nicht alles gleich perfekt klappt - den größten Spaß macht Segeln, wenn man's einfach tut ...


Themen

Was Sportkatamarane leisten - Typ, Bootsgröße, Technik

Schwert oder schwertlos ?

Schnell oder wendig ?

Einhand oder mit Partner ?

Rigg für Leichtwind oder knackige Brise ?

Warum Wave Piercing ?

Hydrofoils ?!

Mast stellen und legen

Trimmen

Wenden und Halsen

Für "undenkbare" Situationen ...

Kentern, durchkentern, Katamaran wieder aufrichten

 

Was Sportkatamarane leisten - Typ, Bootsgröße, Technik

Was für ein Cat soll's denn sein?
Schaut man genauer hin, gibt's hier die unterschiedlichsten Vorlieben. Und das ist gut so, denn sonst wär's langweilig auf dem Wasser.

Speed steht beim Cat meist ganz oben auf der Liste. Das zeigen auch klar die technische Entwicklung und Werbung. Beim Fachsimpeln sind dann aber z.B. auch schnell die Handhabbarkeit, die Fahreigenschaften, das Segeln im Team Thema.


Schwert oder schwertlos ?

Je schlanker und länger das Schwert, desto effektiver wirkt es gegen die Abdrift des Bootes. Schwerter bringen die beste Leistung am Wind.
Kombiniert mit Hydrofoils sind Katamarane mit Schwertern rasante Maschinen für höchste Ansprüche.

Je nach Revier - mit Untiefen, steinigem Grund - kann einem aber schnell die Lust vergehen, wenn ständig Reparaturen am Unterwasser-Equipment und den Schwertkästen nötig sind. Oder wenn ständig Kraut am Schwert hängt. Hier bieten schwertlose Katamarane oder Hybride mit wenig Tiefgang und robustem Unterwasserschiff deutlich mehr Spaß.
Abhängig von der Auslegung des Unterwasserschiffs können auch solche Konstruktionen nahezu gleiche Leistung am Wind erreichen wie Schwert-Katamarane.

Automatische Schwenk- oder Hubruder sind natürlich Voraussetzung, um Schäden bei Grundberührung zu vermeiden. Glücklicherweise ist das aber Standard bei den gängigen Katamaranen.


Schnell oder wendig ?

Länge läuft, das gilt auch für Sportcats. Lange Rümpfe können für den erforderlichen statischen Auftrieb schlank proportioniert werden. Der dynamische Verdrängungswiderstand ist dann besonders gering. Das bringt Speed, aber meist etwas weniger Wendigkeit.

Kürzere Rümpfe werden im Verhältnis etwas breiter dimensioniert, um das Volumen für den erforderlichen statischen Auftrieb bereitzustellen. Mit kürzeren Seitenflächen im Wasser sind sie dafür aber im Vergleich meist wendiger. Dadurch und durch das häufig geringere Gewicht und die angepasste Segelfläche sind kürzere Boote leichter zu handhaben.

Sind Rümpfe für's Gleiten mit entsprechend ausgeformten Bodenpartien ausgestattet, reduziert sich die benetzte Seitenfläche weiter und sie werden noch agiler.


Einhand oder mit Partner ?

Einhand-Katamarane unterscheiden sich deutlich von Katamaranen für eine mehrköpfige Crew. Gewicht, Stabilität, Hydro- und Aerodynamik und auch die Handhabung sind gezielt angepasst. So besitzen Einhand-Boote häufig keine Fock und sind nur mit einem Großsegel ausgestattet. Sie sind außerdem meist leichter (z.B. wiegen A-Cats nur ca. 75 kg !) und filigraner als Boote für mehrere Personen und sollten - zumindest beim sportlichen Segeln - nur mit einer Person belastet werden. Dafür sind sie besonders bei leichtem Wind extrem schnell und wendig.

Segeln zu zweit ist doppelter Spaß!
Zweimann-Katamarane sind meist Allrounder. Mit etwas Übung lassen sie sich auch gut alleine segeln. Wem das geringe Gewicht der Einhand-Rennziegen bei unruhigem Wind zu riskant wird, ist mit einem (etwas schwereren) Allrounder gut bedient.
Bei stärkerem Wind kann man auch auf die Fock verzichten, was die Handhabung des Bootes erleichtert. Die Trimmung des Bootes sollte sich an die veränderte Segelgeometrie leicht anpassen lassen.


Rigg für Leichtwind oder knackige Brise ?

Die Entscheidung hängt wesentlich vom eigenen Können und den Ambitionen ab.

Ein hohes und gestrecktes Rigg besitzt einen guten aerodynamischen Wirkungsgrad. Das macht sich besonders bei Leichtwind bemerkbar - man segelt an der Spitze. Allerdings bringt der lange Mast und hohe Segeldruckpunkt auch ein entsprechendes Krängungsmoment mit sich. Nimmt der Wind zu, muss man schnell Druck aus dem Segel nehmen. Ist der Wind böig, wird der Ritt häufig bockig - besonders mit einem leichten Boot.     Das Rigg der Akrobaten.

Ein moderat gestrecktes Rigg besitzt einen etwas geringeren Wirkungsgrad. Es dämpft aber das Rollmoment, was besonders bei unruhigem Wind mehr Ruhe im Boot hält. Und auch bei knackigem Wind ist das Segeln noch relativ entspannt.


Beim Segeln bin ich etwa die Hälfte der Zeit allein auf meinem Cat. Nach vielen Jahren mit 18-Fuß-Booten (5,50 m) favorisiere ich für mich einen 5 m langen wave piercing Halbgleiter mit moderat gestrecktem Rigg. Der ist handlich (im Wasser und beim Verladen) und bietet viel Spielraum für knackigen Wind; besonders, wenn man die Fock weglässt. Und ein Partner kann jederzeit mit an Bord.
Bootsgröße und bevorzugte Fahreigenschaften sind aber ganz individuell.

 


Warum Wave Piercing ?

Wave Piercing Rümpfe zeichnen schon länger schnelle Sportkatamarane aus. Der Bugabschnitt mit fliehendem Steven ist schlank und langgestreckt.
Während konventionelle Rümpfe bei See-/Wellengang zu stampfen beginnen, stechen Wave Piercing Rümpfe bei Fahrt horizontal durch Wellen(köpfe) hindurch und reduzieren die Nickbewegungen des Bootes. Sie halten so mehr Ruhe im Boot, es wird weniger Energie durch Nickbewegungen verbraucht, das Boot läuft schneller.

Durch die Wave Piercing Form ist die Wasserlinienlänge des Rumpfes und damit die theoretische Rumpfgeschwindigkeit für die gewählte Rumpflänge maximal. Die Rumpfgeschwindigkeit hängt vom Wellensystem ab, das der Rumpf in Fahrt erzeugt.
Ist ein Verdränger-Rumpf besonders schlank (wie bei praktisch allen Sportkatamaranen), kann er seine eigene Bugwelle "überwinden" und die theoretische Rumpfgeschwindigkeit überschreiten. In diesem Fall erleichtert die Wave Piercing Bugform das Überwinden der Bugwelle zusätzlich.

Ausgewogene Wave Piercing Rümpfe bieten bei gutem Strömungsverlauf eine angepasste Auftriebsverteilung im Bugbereich. In kritischen Situationen verhindern sie so weit wie möglich ein Unterschneiden.
Der Auftrieb im Bug kann sowohl statisch durch Volumen als auch dynamisch durch entsprechende Formgebung besonders der Rumpfunterseite gewährleistet werden. Mit der Formgebung lassen sich auch die (Teil-)Gleiteigenschaften der Rümpfe beeinflussen.
     Das Spielfeld der Konstrukteure.


Hydrofoils ?!

Speed is top - das Motto vieler Cat-Segler. Stimmt! Ein super Gefühl, wenn's richtig düst - und man es kontrollieren kann. Foils (Tragflügel) bringen den Spaß sprichwörtlich auf eine neue Stufe.
Top Speed ist aber nicht ohne Risiko. Deshalb sieht man gelegentlich Helme auf den Booten.

Es gibt verschiedene Hydrofoil-Systeme mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Aktiv von der Crew gesteuerte Systeme bieten die größte Freiheit für individuelles Fahren. Diese Systeme müssen gut beherrscht werden und erfordern üblicherweise viel Training, große Aufmerksamkeit und viel Aktivität beim Speedsegeln.
     Für ambitionierte Speed Freaks und Könner.

Automatische Systeme erfordern keine oder nur wenig Bedienung durch die Crew. Eine gute Automatik macht das "Fliegen" einfacher und vor allem sicherer. Sind (bei beweglichen Teilen) Grundeinstellungen zu justieren, braucht man dafür Kenntnisse und Erfahrung.
Tendenziell unkompliziert sind Systeme ohne bewegliche Teile.

Systeme mit viel Tiefgang heben das Boot im Flugmodus komplett aus dem Wasser und über die Wellen. Sie erreichen die höchsten Geschwindigkeiten. Sie bergen aber auch ein deutliches Risiko von Beschädigung bei Grundberührung besonders im Verdrängermodus. Hier ist immer besondere Umsicht beim Fahren und sehr gute Kenntnis des Reviers erforderlich. Manche Reviere sind für Boote mit solchen Systemen praktisch ausgeschlossen.
Daneben besteht bei Strömungsabriss am Foil das Risiko eines Absturzes aus voller Flughöhe und Geschwindigkeit ...

Systeme mit wenig Tiefgang heben das Boot meist nicht vollständig aus dem Wasser oder über die Wellen. Durch den verbleibenden Restwiderstand der Rümpfe erreichen sie auch meist nicht die Geschwindigkeit fliegender Systeme. Sie bieten aber ein geringeres Risiko für Schäden am Boot durch Grundberührung. Und das besonders, wenn die Foils geschützt angeordnet sind.
Durch die geringe Anhebung des Bootes ist außerdem kein gefährlicher Absturz beim Speedsegeln zu befürchten.

Aus technischer Sicht lässt sich auch zwischen Systemen mit beweglichen Teilen und ohne bewegliche Teile unterscheiden. Die Erfahrung sagt, dass Systeme ohne bewegliche Teile im allgemeinen robuster sind, weniger Pflege erfordern und weniger Verschleiß zeigen.

> Themen

 

Mast stellen und legen

Das Stellen und Legen eines Mastes kann schnell heikel werden. Deshalb teste ich das bei einem neuen Boot immer erst einmal in Ruhe zu Hause, ob ich's zuverlässig hinkriege. Und später am Ufer mischt der Wind auch noch mit ...

Bäume oder (Strom)Leitungen dürfen natürlich nicht behindern.

Bei kleinen Booten und leichten Masten ist es einfach, den Mast zusammen mit Wanten und Vorstag von Hand frei aufzurichten und auf den Mastfuß zu setzen. Dabei sind die Hauptwanten bereits mit den Püttings verbunden und sichern den aufgesetzten Mast gegen Kippen nach vorn und zu beiden Seiten. Im letzten Schritt muss dann nur noch das Vorstag befestigt werden - am besten macht das ein Helfer.
Zu zweit keine große Sache. Alleine etwas anspruchsvoller, da selbst kleine Sportcats üblicherweise keine Steckhülse als Mastfuß besitzen, die den Mast provisorisch senkrecht halten könnte (manche Jollen haben diesen Vorteil).
Das Legen des Mastes geschieht in umgekehrter Reihenfolge.


Bei längeren und schwereren Masten sind die Möglichkeiten für das Stellen und Legen u.a. abhängig vom vorhandenen Mastfuß-System.
Das Boot zum Auf- und Abbau in Normallage möglichst waagerecht auf dem Boden ablegen. Bug oder Heck im Wind, um Seitenkräfte zu vermeiden. Arbeiten zu zweit:

Bei frei beweglichen Mastfuß-Systemen und bei Systemen, die nur eine 90°-Neigung des Mastes nach Achtern, aber keine Querneigung zulassen, wird der Mast auf dem Trampolin bzw. auf den Querträgern horizontal achterlich ausgerichtet und mit dem Mastfuß verbunden. Die Verbindung muss zuverlässig sein, auch beim folgenden Aufrichten. Beim Ausrichten gute Polster zwischen Mast und Querträger nicht vergessen, sonst leiden Mastnut und Traveller-Schiene!
Die Hauptwanten werden mit den Püttings verbunden. Darauf achten, dass sich die Wanten beim Stellen des Mastes frei mit aufrichten können und nirgendwo unbeabsichtigt hängenbleiben können (z.B. im Traveller, in den Vorschot-Wirbelklemmen, ...).
Der Mast wird anschließend vom Partner achterlich so weit wie möglich angehoben. Dann zügig mit dem Vorstag aufrichten. Ich nutze dazu eine 2:1 - Untersetzung zwischen Vorstag-Hahnepot und dem unteren Ende des Vorstags, um das Gewicht des Mastes aus der anfänglich noch recht flachen Lage hochzukriegen. Wichtig: das Aufrichten muss sehr schnell gehen, damit der Mast nicht zur Seite kippen kann. Dann Vorstag fixieren und sichern. Anschließend nur noch die Untersetzung abbauen und die richtige Spannung auf's Rigg bringen - fertig.

Legen des Mastes in umgekehrter Reihenfolge. Der Partner muss dabei den am Vorstag zügig nach achtern geneigten Mast etwa 3 Meter hinter dem Boot mutig auffangen...
Mit meinen 8,50 m langen Masten hat das immer gut geklappt.


Für Rümpfe ohne Anhänge und Mastfuß-Systeme, die auch eine gewisse Querneigung zulassen, habe ich eine weitere Möglichkeit gehört - allerdings noch nicht ausprobiert:
Das Cat-Fahrgestell wird auf eine Rumpfseite hochkant gedreht. Der Mast wird liegend mit dem am "unteren" Rumpf angeschlagenen Hauptwant und mit angeschlagenem Vorstag in den Mastfuß gesetzt. Das zweite Hauptwant wird dann am "oberen" Rumpf fixiert und der Cat wieder in Normallage gedreht. Rigg spannen und fertig.

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Trimmen

Der richtige Trimm eines Bootes bedeutet sowohl Entspannung als auch Sicherheit.
Leegierigkeit (dabei fällt das Boot bei losgelassener Steuerung selbstständig ab) ist unbedingt zu vermeiden. Besonders bei stärkerem Wind und in Böen wäre es nur eine Frage der Zeit, die Kontrolle über das Boot zu verlieren.

Der Cat sollte (mit vollständig abgesenkten Ruderblättern) immer leicht luvgierig getrimmt sein. Dadurch werden Böen sicherer ausgesteuert und für den Fall, dass der Steuermann über Bord geht (das ist schon Profis passiert), besteht die Chance, dass das Boot selbstständig allmählich in den Wind dreht und stehenbleibt.

Die Trimmung kann durch die Mastneigung eingestellt werden:

Leegierigkeit reduzieren   >   Mast weiter nach hinten neigen
Luvgierigkeit reduzieren    >   Mast weiter nach vorn neigen

Verzichtet man bei einem Rigg, das im Normalfall Fock und Großsegel umfasst, auf die Fock, wird das Boot luvgierig. Um das (weitgehend) zu kompensieren, kann der Mast etwas weiter nach vorn geneigt werden. An die richtige Neigung tastet man sich am besten schrittweise heran; ganz besonders, wenn der Trimm für stärkeren Wind stimmen muss.

Umgekehrt führt das "Tunen" eines ursprünglich mit Una-Rigg (nur Großsegel) ausgestatteten Cat durch eine Fock zu einer gefährlichen Leegierigkeit, die durch achterliche Neigung des Mastes meist nur unzureichend ausgeglichen werden kann. Außerdem ist die Rumpfstruktur möglicherweise nicht für die zusätzliche Belastung durch eine Fock ausgelegt.


Ich bevorzuge Boote, deren Trimm nahezu ausbalanciert ist. Kurshalten geht dann fast ohne Ruderdruck. Nach einer Wende lässt sich der Cat auch leicht abfallen und beschleunigen.
Ist kein Verkehr auf dem Wasser, kann man bei wenig Wind den Cat sogar sich selbst überlassen und auf dem Trampolin liegen. Gesteuert wird dann nur durch Gewichtsverlagerung - Faultiersegeln.

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Wenden und Halsen

Sportkatamarane sind leicht und besitzen relativ wenig Schwungmasse. Durch ihre Bauform sind sie im Allgemeinen weniger drehfreudig als z.B. Jollen. Außerdem können Wellen bestimmte Manöver behindern.
Deshalb können Katamarane in einer Wende "verhungern", sie gehen nicht ganz durch den Wind.
In einer Halse können sie beim ungünstigen Absurfen einer Welle unterschneiden.

Eine Wende leitet man am besten zügig, aber nicht zu hart ein. Zu stark eingeschlagene Ruder bremsen stark. Droht das Boot beim Durchgang durch den Wind stehen zu bleiben, kann man ihm mit dem Ruder noch einen kleinen Kick geben.
Driftet das Boot im Wind rückwärts, hilft es, die Ruder kurz zur anderen Seite einzuschlagen - entsprechend der Rückwärtsfahrt - um das Boot weiter in die gewünschte Richtung zu drehen.
Unmittelbar nach Durchgang durch den Wind kann das Großsegel etwas geöffnet werden, um leichter auf den neuen Kurs abzufallen. Liegt der neue Kurs an, wird das Groß wieder dicht geholt.

Um besser durch die Wende zu kommen, kann man auch die Fock beim Durchgang durch den Wind einen Moment back stehen lassen: Die Fockschot wird nicht direkt im Wind gelöst und umgesetzt, sondern man lässt die Fock in Bezug auf den neuen Kurs noch eine kurze Zeit "auf der falschen Seite" belegt. So drückt der Wind von vorn im spitzen Winkel gegen die ehemalige Leeseite der Fock und hilft, den Bug ganz durch den Wind zu drehen. Ist das Boot sicher durch den Wind gegangen, wird die Fock umgesetzt.
Bei Wellengang führt man die Drehung durch den Wind am besten auf einem Wellenberg aus. Dann hilft die nächste Welle, den Bug vollständig durch den Wind zu drehen und abzufallen.


Während man bei viel Wind in einer Wende manchmal stehenbleibt, kann man bei einer
Halse nicht über zu wenig Speed klagen. Hart gefahren, kann einen bei der Drehung die "Fliehkraft" sogar über Bord ziehen.
Besonders bei Wellengang ist es wichtig, auch die Wasseroberfläche vor dem Boot im Auge zu behalten und nicht von hinten in eine große Welle hineinzustechen - das könnte sich sonst mit einem "Stecker" rächen. Zur Sicherheit sollte die Crew das Gewicht in der Halse so weit wie möglich achterlich und den Bug oben halten.
Nähert man sich in der Halse dem Kurs mit achterlichem Wind, kann man das Groß mit einem Griff in die Schot gezielt umsetzen. Dadurch vermeidet man das selbstständige und heftige freie Umschlagen des Großsegels. Der Griff funktioniert am besten, wenn das Groß nicht zu weit geöffnet ist und erfordert je nach Wind trotzdem noch einige Kraft. Und im Moment des Lastwechsels und der nachfolgend raschen Drehung beim Anluven muss das Boot zuverlässig ausbalanciert werden.     Übung macht den Meister.

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Für "undenkbare" Situationen
(Durchkentern, Kollision, Rigg verloren ...)

... ist es sinnvoll,

1. für jedes Crewmitglied eine passende Schwimmweste
2. eine zusätzliche Leine für behelfsmäßige Reparaturen
3. ein Paddel mit ausreichend langem Schaft
4. eine ausreichend lange und stabile Abschleppleine
    (auch zum Aufrichten des Cat mit einem Motorboot)

dabei zu haben.     Immer.


Das Risiko für manche gefährliche Situation aus Technikversagen lässt sich reduzieren, indem man

- die Sicherungsringe von Steckbolzen mit Tape gegen unbeabsichtigtes Lösen sichert.
Das ist besonders wichtig bei den rumpfseitigen Want-Anschlüssen, da man dort beim Trapezen leicht mit den Schuhen, dem Gurtzeug oder dem Anzug hängenbleibt.
Fährt man Gennaker oder Code Zero, ist die Schot ein Risiko für die Sicherungsringe der Vorstag-Bolzen.

- Gewindebolzen von Schraubschäkeln gegen Lösen sichert.
Das geht meist ganz einfach mit einem kurzen Stück Draht.
Die Gewindebolzen haben dafür einen gelochten Kopf.

- die Drahtseil-Pressungen der Wante und Stage regelmäßig überprüft und bei Anzeichen von Verformung oder Verschleiß austauscht

- die Ruderanlage und besonders die Ruderbeschläge regelmäßig auf Verformung und Verschleiß überprüft und bei Bedarf repariert

- notwendige Reparaturen nicht aufschiebt

> Themen

 

Kentern, durchkentern, Katamaran wieder aufrichten

Kentern mit einem Sportkatamaran - ist eigentlich nur beim ersten Mal unbehaglich.
Anders als bei einer Jolle verhält sich ein Cat bis zu einer bestimmten Krängung vergleichsweise stabil. Über diesen Punkt hinaus ist der Schritt zur Kenterung dann recht klein.
Am besten, man hat das Kentern und Wiederaufrichten vorher schon einmal bei wenig Wind in Ufernähe - aber in ausreichend tiefem Wasser - ausprobiert und kennt sein Boot ein wenig. Dann weiß man auch, ob man im Ernstfall alleine zurechtkommt.
Liegt man dann doch mal ungewollt im Bach, ist's nicht schlimm.

Beste Voraussetzung: Der Katamaran liegt nur auf der Seite und nicht kopfüber. Ein Auftriebskörper am Masttop verhindert meist das Durchkentern, bei sehr leichten Booten kann auch ein zuverlässig abgedichteter Mast ausreichen.
Fällt die Crew bei der Kenterung nicht gleich ins Wasser, sollte man schnellstmöglich den oberen Rumpf verlassen, um das Rigg nicht nach unten zu drücken. Und nicht ins Segel fallen! Das schont nicht nur die Latten, sondern auch die eigenen Knochen; bei Großsegel mit Baum wäre ein Treffer sogar richtig gefährlich.

Aufgerichtet wird der Cat mit der Aufrichtleine. Die befindet sich meist am oder im vorderen Holm. Bringt man zum Aufrichten allein nur wenig Gewicht an die Leine oder ist das Rigg zu schwer, ist es zusammen mit einem Compagnon meist ein Kinderspiel. Segelt man gern allein, hilft auch ein sicherheitshalber mitgenommener wasserdichter Sack, den man bei Bedarf füllt und mit an die Aufrichtleine hängt.

Man spart Kraft, wenn man im gekenterten Zustand vor dem Wiederaufrichten die Groß- und Vorschot löst und dem Katamaran beim Aufrichten Zeit gibt, das Wasser aus dem Segel langsam ablaufen zu lassen. Und mit gelösten Schoten schlägt auch der Wind das Boot nach dem Aufrichten nicht gleich wieder um.
War ein Gennaker oder Spi gesetzt, muss er vor dem Aufrichten geborgen werden.

Richtet sich der Cat wieder auf, früh genug unter dem Trampolin in Deckung gehen, damit einen der von oben kommende Rumpf nicht trifft!

Liegt der Cat 180° kopfüber, hat man Glück, wenn's richtig bläst! Dann hockt man sich ganz vorn auf den Lee-Bug, drückt ihn so weit wie möglich unter Wasser und lässt den Wind an den aus dem Wasser aufragenden Rumpfabschnitten arbeiten: Das Boot driftet, der Widerstand des Riggs im Wasser wirkt dabei am langen Hebel und dreht das Boot auf die Seite! Danach wird wie üblich aufgerichtet.
Damit das auch klappt, muss der Mast natürlich 100% dicht sein.


Bis zum ersten Mal habe ich nicht geglaubt, wie schnell man "turn turtle" liegen kann:
Zu zweit auf dem Cat, der Co. jubelt im Trapez. Eine sechser Bö, eine kurze Gewichtsverlagerung steuere ich zu lässig aus - und das Pferdchen legt sich auf die Seite. Als Gecko nur ein paar Sekunden am oberen Rumpf "festgesaugt" und zu spät ins Wasser gegangen, da war der Mast schon auf 5 Uhr ...
Mit geübtem Co. war nach ein paar Minuten wieder alles im Lot.

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... und zuletzt:   Keine Gewähr oder Haftung für die gegebenen Tipps.

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Immanuel Hahnenstein     Bernsteinstraße 12     D-31275 Lehrte

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